11 people found this review helpful
Recommended
0.0 hrs last two weeks / 8.6 hrs on record
Posted: Oct 9, 2020 @ 10:44am

Ein Grusel-Thriller, der stellenweise ein schlechtes Gewissen hervorruft – je nachdem wie du dich entscheidest.

Bewertung

++ Moralische Entscheidungen
+ Angenehmer Gruselfaktor
+ Fesselnde Story

Handlung + Gameplay

Wir sind Edward. Ein gutbürgerlicher, etwas langweiliger Ehemann (zumindest habe ich ihn mir so ausgemalt), der sich gleich zu Beginn des Spiels mit seiner heimlichen Liebschaft treffen möchte. Also mir persönlich erstmal unsympathisch. Aber das hält nicht lange an, denn die Ereignisse überschlagen sich und… naja, es ist stockdunkel, wir sind alleine und das Auto wurde uns auch noch geklaut. Also machen wir uns zu Fuß auf den Weg in die nächste Stadt. Und damit geht’s dann erst richtig los. Ich möchte nicht zu viel von der Story vorwegnehmen, daher belasse ich es an dieser Stelle dabei und gehe nicht weiter auf Details ein.
Nur so viel sei gesagt: Die Dunkelheit ist tödlich. Wir nehmen schemenhafte Gestalten wahr, manchmal mehr, manchmal weniger. Bleiben wir hingegen im Licht, kann uns (vorerst) nichts passieren. Durch das Anschalten von Lampen, Scheinwerfern oder Lichterketten können wir die Schatten vertreiben, zumindest aus dem Bereich, der dann angestrahlt wird, und arbeiten uns so stück für Stück vorwärts. Während unserer, nennen wir es mal „Reise“, erfahren wir durch hinterlassene Briefe und Zeitungsartikel langsam immer mehr darüber, was hier vorgefallen ist. Denn: es gibt (grob gesagt) nur die Schatten und uns. Durch die Informationen die wir erhalten, erfahren wir, dass sich in dieser Stadt etwas Schlimmes ereignet hat und werden auch immer wieder mit unserer eigenen Vergangenheit und den Traumata, die wir durchmachen, konfrontiert. Ist es real? Oder bilden wir uns das alles nur ein?
Im Laufe des Spiels werden wir mit moralischen Entscheidungen konfrontiert, die nicht immer leicht zu fällen sind. Mich persönlich hat die ein oder andere Entscheidung durchaus mit einem Gefühl von „Mh. Kann beide Punkte verstehen. Mist.“ zurückgelassen. Aber da müssen wir durch. Vielleicht sind auch eben diese Entscheidungen das spielerische Mittel, um sich noch mehr mit der Geschichte und dem Protagonisten zu identifizieren.
Die einzelnen Spielpassagen (ich möchte jetzt den Begriff „Level“ vermeiden) sind recht schlauchartig aufgebaut; es gibt nicht wirklich die Möglichkeit sich zu verlaufen. Einer der Gründe dafür sind, wie oben bereits benannt, die Schatten. Verlässt man das Licht, fallen sie über einen her. Ich finde das ist eine sehr ansprechende Idee, Bereichsgrenzen zu simulieren, da man nicht gegen unsichtbare Wände oder unüberwindbare Zäune läuft, sondern die Grenze quasi fließend ins Spiel eingebaut wurde.
Ebenfalls sind „Sneak-Passagen“ eingebaut, welches quasi Szenen sind, in welchen wir uns vor einer größeren „Manifestation“ (Lang lebe der Armleuchter!) verstecken und/oder fliehen müssen. Diese Passagen erhöhen zwar den Druck und das „Panik-Gefühl“ ein wenig, hätten aber in meinen Augen nicht unbedingt enthalten sein müssen. Aber gut, sie sind nun mal mit drin.
Insgesamt regt das Spiel zum nachdenken an. Über Moral, Richtig und Falsch und Empathie. Die Entscheidungen, die getroffen werden müssen, und die Informationen, die man im Spiel findet, geben Stoff für die ein oder andere kontroverse Diskussion über das Für und Wieder. Ich hatte das Gefühl, dass das Spiel es recht gut schafft ein „Pack dich mal an der eigenen Nase“-Gefühl zu erwecken. Zumal die Entscheidungen, die man treffen muss, auch Einfluss auf das Ende haben. Aber mehr sag ich dazu nicht 😊

Grafik + Sound

Die Grafik ist solide. Licht- und Schatteneffekte sind angenehm und zur Szenerie passend verwendet. Auch, oder gerade, die Dunkelheit passt sehr gut ins allgemeine Bild, wenn man sich überlegt, wie man es selbst im realen Leben erleben würde: Nachts auf ’ner Landstrasse, die hier und da von Laternen erleuchtet ist – da siehste selber nach 15 Metern nüscht mehr. Nur Dunkel. Und ein paar schemenhafte Umrisse von Bäumen und Büschen. Moment, hat sich der Busch da grade bewegt?
Der Sound ist einfach zu beschreiben: Absolut klasse. Die Musik ist nicht zu aufdringlich, aber untermalt die Szenerie nahezu perfekt (und steigert somit auch durchaus nochmal das Gruselgefühl). Die Soundeffekte sind ebenfalls gut platziert und wirken nicht überladen. Im großen Ganzen trägt auch in diesem Spiel der Sound massiv zum Spielgefühl bei und das haben die Entwickler richtig gut hinbekommen!

Fazit
Einige sagen sicherlich „Nä, das Spiel ist ja mal dezent durch!“, aber ich muss sagen: Mir gefällt’s richtig gut. Ein grundsolider Grusel-Thriller mit Rätseln und Moral, der den Spieler dazu bewegen kann, seine eigenen moralischen Prinzipien eventuell näher zu betrachten – sofern der Spieler sich darauf einlässt. Eine ganz klare Spielempfehlung!

Du möchtest mehr Reviews wie dieses lesen? Dann folge der PhoenX-Society-Kurator Page
Was this review helpful? Yes No Funny Award
< >
4 Comments
DasGerd Oct 12, 2020 @ 2:31am 
Vielen Dank für die netten Worte, ihr Drei. Freut mich sehr dass es gefällt und ich bin auf euer Feedback gespannt, wenn ihr das Game mal gespielt habt :dewey:
Life Of Franky #LoF Oct 12, 2020 @ 2:15am 
Vorab möchte ich dich loben! Bei deinen Reviews, finde ich immer Klasse, dass man merkt, dass das Spiel mit gespielt worden ist und du dich in die Charaktere hineinversetzt hast.^^ Das spiel hast du mir ja schon bei spielen in deinem Stream empfohlen, welches ich mir nun auf jeden Fall noch anschaffen werde XD. Inwiefern es es für mich wie LiS ist, werde ich dir Berichten ^^. Danke für dein Review @DasGerd
Godbrithil Oct 9, 2020 @ 7:27pm 
Den Hintergrundaspekt sehr gut eingefangen – gutes Auge für's Detail!
Badseb Oct 9, 2020 @ 1:32pm 
Gute Arbeit. Werde mir das Spiel bei Gelegengeit kaufen. :cupup: