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Posted: Feb 13, 2021 @ 2:37am

Ein RPG wie man es sich wünscht – Entscheidungen mit Konsequenzen, handfeste Story, interessante Charaktere – tolles Gesamtpaket.

Bewertung

+++ Entscheidungen mit Konsequenzen
++ Schön gestrickte Storyline
++ Charakterfreiheit
+ Angenehme Sounduntermalung

Handlung + Gameplay

Die Armeen von Kyros, einem gottgleichen Herrscher ohne Mitleid, haben die gesamte bekannte Welt erobert. Du bist ein Schicksalsbinder, eine Art Richter, der Recht, Ordnung und Kyros Willen in den frisch eroberten Landstrichen aufrechterhalten soll. Wirst du dich an den Richtlinien von Kyros orientieren und seinen Willen durchsetzen? Oder verfolgst du eigene Pläne? Oder versuchst du gar, den Rebellen zu helfen, ihre Unabhängigkeit wiederzuerlangen?

Das Spiel bietet, mit Verlaub, einen ganzen Haufen an Entscheidungsmöglichkeiten, und das bereits zu Anfang. Startest du ein neues Spiel, hast du erst einmal die Möglichkeit, die Schwierigkeitsstufe einzustellen. Das ist an sich nichts Spezielles, aber: Es besteht die Möglichkeit in der Stufe „Eisenprüfung“ zu starten. Das ist nichts anderes als ein Hardcore-Modus, es gibt nur einen Speicherstand, ist dein Charakter tot, dann, naja, ist er tot. Speicherstand wird automatisch gelöscht, viel Spaß beim Neustart. Hast du dich für eine Schwierigkeitsstufe entschieden, geht es auch schon los mit der Charaktererstellung. Hier kannst du neben Hautton, Körperbau, Geschlecht, Haarfarbe und anderem festlegen, welchen Hintergrund dein Charakter hat. Bist du als Soldat oder Grubenkämpfer zur Armee gestoßen oder wurdest du zwangsrekrutiert? Vom Jäger bis zum Kampfmagier stehen dir verschiedene Herkunfts-Optionen zur Verfügung, die allerdings keinen Einfluss auf deine Skills haben, sondern eben auf den Geschichtlichen Hintergrund deines Charakters. Beispielsweise kannst du durchaus eine Jäger-Herkunft haben, aber eine Ausbildung in Frostzaubern und Großschwert. Du bist also somit nicht auf eine „Klasse“ fixiert, sondern hast nahezu komplett freie Gestaltungsmöglichkeit für deinen Charakter. Nach den „Standard-Angaben“, die man auch aus anderen RPGs kennt, gibt es bei Tyranny allerdings direkt die nächsten Entscheidungen: Du hast die Möglichkeit, den Verlauf der Eroberung bis zu dem Zeitpunkt an dem das Spiel startet mitzugestalten. Das bedeutet, du kannst Entscheidungen treffen, die VOR den aktuellen Spielereignissen stattgefunden haben und welche bspw. Einfluss auf Aussagen von NPCs haben können. Das Gameplay an sich erinnert ein wenig an Genre-Größen wie Baldurs Gate oder Pillars of Eternity, sofern es sich bei Tyranny also nicht um das erste isometrische Rollenspiel handelt welches du spielst, ist direkt eine gewisse Vertrautheit vorhanden. Die Kämpfe laufen zwar in Echtzeit ab, können aber mittels Leertaste pausiert werden, so dass du in Ruhe Befehle für deine Gruppe koordinieren kannst.

Bleiben wir ein wenig bei den Entscheidungen die du treffen kannst. Sehr häufig haben deine Taten oder Aussagen entsprechende Auswirkungen auf den Spielverlauf. Entweder direkt, oder auch erst nach einiger Zeit. So verhalten sich bspw. Fraktion dir gegenüber ablehnend je nachdem welche Aussage du in einem Gespräch getroffen hast. Das Verhalten ist dabei immer nachvollziehbar und glaubhaft, es entsteht nicht das Gefühl von „Warum reagieren die jetzt so?!“. Das wiederrum führte bei mir dazu, dass ich sehr oft in den Gesprächen abgewägt habe, welche Antwort ich jetzt geben soll, um meinem Spielstil gerecht zu werden. Und das wiederrum trug bei mir stark dazu bei, dass ich mich noch mehr mit meinem Charakter und der Gruppe identifizieren konnte.

Ein weiterer Aspekt der Entscheidungen ist, dass du deine Zauber, sofern du einen zauberkundigen Charakter spielst, selbst gestalten kannst. Du wählst einen Kern (bspw. Feuer), einen Ausdruck und zusätzliche Akzente (die den Zauber bspw. in Reichweite, Dauer oder Wirkungsbereich verändern können) und schwups: Hast du dir einen eigenen Zauber erstellt. Die Wirkungskosten unterschieden sich dabei, zum Beispiel je nachdem wie viele Akzente du dem Zauber hinzugefügt hast. Du kannst allerdings nicht sämtliche Kerne, Ausdrücke und Akzente von Anfang an verwenden, du musst diese erst lernen bzw. entsprechende Schriftrollen in der Welt finden. Und die Welt ist nicht klein.

Grafik + Sound

Die Grafik ist sehr liebevoll und detailreich gestaltet, das fängt an bei zusammengebrochenen Karren im Gebüsch über bröckeliges Mauerwerk bis hin zu den Details an den Rüstungen und Waffen der NPCs. Auch die verschiedenen Fraktionen sind grafisch sehr schön dargestellt, gerade auch das unterschiedliche Verhalten bzw. die unterschiedlichen Ansichtsweisen und Gegensätze werden grafisch sehr gut herausgearbeitet, als Beispiel sind hier „Die Geschmähten“ und der „Scharlachrote Chor“ genannt. Auf der einen Seite Militärische Ordnung und Struktur, auf der anderen Seite barbarisches Chaos und Wildheit. Dies wird in den Lagern der Fraktionen grafisch entsprechend dargestellt, so dass man das Verhalten nicht nur in Gesprächen „lesen“ kann, sondern auch visuell direkt den passenden Eindruck erhält. Das „Gefühl“ für die jeweilige Fraktion entsteht quasi direkt beim Eintritt in das jeweilige Lager.

Der Sound ist angenehm dezent aber trotzdem effektiv in Szene gesetzt. Nicht zu überladen, aber auch nicht zu wenig, setzt er die jeweilige Szenerie gut um. Stellenweise hätte ich mir ein wenig mehr Background-Musik gewünscht, aber insgesamt gesehen ist es genau das was es sein soll: Eine Untermalung die die Situation verstärkt, aber nicht selbst im Mittelpunkt steht.

Als kleines Manko sehe ich persönlich die „Zwischensequenzen“ an. Der Sprecher hat zwar eine angenehme, passende Stimme, allerdings sind die Sequenzen grafisch eher „spartanisch“ gehalten. Grob Gezeichnete, Großflächige Szenerien passen sicherlich zum Gesamtkonzept, da sie nicht vom Spiel ablenken, aber trotzdem die nötigen Informationen vermitteln, ich für meinen Teil hätte mir da aber ein bisschen „mehr“ gewünscht.

Fazit

Mit Tyranny hat Obsidian ein wirklich gutes Rollenspiel abgeliefert. Es reiht sich in das Genre nahezu perfekt ein, stellt sich aber durch die Freiheiten und Entscheidungsmöglichkeiten durchaus in die vorderen Reihen. Gerade durch eben diese Auswirkungen der selbst getroffenen Entscheidungen ist auch ein Grund gegeben, das Spiel mehr als einmal zu spielen, da sich die Spielerfahrung mit jeder Entscheidung verändern kann. Ganz klare Empfehlung.

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1 Comments
yava Feb 13, 2021 @ 2:51am 
Danke für das Review. Sehr interessant geschrieben und gibt einen guten Einblick ins Spiel! :-)